…was sich ums Rad dreht…

Poison Ethanol | Test – Review – Erfahrung


Das Poison Ethanol verrichtet seinen Dienst als Fahrrad für den Alltag (manch einer nennt sowas auch Stadtschlampe),
als Reiserad und Trekkingrad. Wie das halt so ist, steigen die Ansprüche mit der Zeit. Angefangen hat alles vor ein paar
Jahren mit gebrauchten Fahrrädern.
Weil gerade im Alltag ein schneller und bequemer Ortswechsel von A nach B wichtig ist, rüstete ich die Fahrräder nach und
nach mit gebrauchten Parts von meinem “Baby” auf. Im Jahr 2009 entschied ich mich für StVZO-konforme Dynamobeleuchtung.
Jedoch: Wenn schon Dynamolicht, dann was brauchbares!

Licht

Die Wahl fiel beim Scheinwerfer auf den
Busch + Müller Lumotec IQ CYO R Senso Plus LED 175QRSNDi
(Bild
klein: 84kB, Bild groß: 3,3MB)

in der 40 Lux Version (1 indirekte LED, ich schätze um die 100 Lumen) mit Nahfeldausleuchtung. Kostet zwar zwischen 70 und 80 €, ist aber auf jeden Fall
sein Geld wert. Ausleuchtung (trapezförmig – dadurch leuchtet der Scheinwerfer den Fahrbahnrand gut aus und ein Stück weit in Kurven hinein)
und Helligkeit (sehr homogene Verteilung des Lichtes) genügen, um damit im Dunkeln sicher 30km/h und mehr fahren zu können. Beim Rücklicht
entschied ich mich für das elegante Top Light Flat.

Sicher ist, dass bei Dynaomlicht mittlerweile noch mehr geht, allen voran Supernova mit der Straßenzugelassenen E3 Terraflux (305 Lumen mit
1 LED, ca. 165€) bzw. mit der E3 (um 370 Lumen mit 1 LED, ca. 165€ ohne Zulassung nach StVZO) oder der E3 Triple (um 800 Lumen mit 3 LEDs,
ca. 220€, ohne Zulassung nach StVZO), aber ich halte mein Budget begrenzt und plane in der nächsten Zeit eh ein Projekt (Trekkingrad mit 28″
Laufrädern und allem drum und dran mit maximal 12kg) und hebe mir die Kapazitäten lieber dafür auf.

Laufräder

Die nächste große Sache war die mit den Laufrädern. Leicht, stabil und nicht zu kostenintensiv (um 200€, die es auch geworden sind) sollten
sie sein. Ich entschied mich dafür, diese selbst aufzubauen. Gerade bei fertig eingespeichten Rädern wird dann, wenn Nabe und Felge hochwertig
sind, immer noch an Speichen und Speichennippel gespart (und das wegen 10 bis 15 € pro Laufrad).

Für micht gab und gibt es zu den Speichen und Speichennippel nur eines: Die Produkte von DT SWISS.
Bei den Speichen wählte ich die DT Competition in Schwarz und bei den Nippel die DT Pro Lock Messing in Schwarz. Die DT Competition sind
gegenüber den etwas günstigeren DT Champion in der Speichenmitte verjüngt, was pro Laufrad einen Gewichtsvorteil von 70 bis 90 Gramm bringt,
ohne Abstriche in Sachen Haltbarkeit und Stabilität zu machen.

Die DT Pro Lock Nippel sind selbstsichernd, was sich auf Dauer auszahlt.

Bei den Felgen fiel die Wahl auf die Mavic XM 317. Diese sind am Felgenstoß zwar nur gesteckt, aber an sich stabil und leicht (440 g) genug zu einem sehr vertretbaren Preis (25 bis 30 € pro Felge). Die Felgen- Ösen erlauben eine großflächigere Verteilung der Zugkraft von den Speichen samt Nippeln auf die Felge, was eine höhere Speichenspannung ermöglicht und das Zentrieren an sich erleichtert. Eine Felge von “günstigeren” Herstellern ist gleich mal 100 Gramm schwerer.

Beim Nabendynamo entschied ich mich für den hochwertigsten von Shimano. Es ist das Modell DH-3N80 (480 Gramm, Preis zwischen 70 und 80 €). Es gibt zwar günstigere nicht nur von Shimano, aber die haben einen höheren Widerstand und sind wesentlich schwerer (Gewicht beträgt dann um die 800 bis 900 Gramm bei den Nabendynamos von Shimano, bei anderen Herstellern könnte es noch mehr sein). Die Referenz ist und bleibt natürlich der Nabendynamo von Schmidt (kurz: SON) aus Tübingen…

Die Hinterradnabe ist die recht günstige (bei Rose 21 €) und leichte, zudem solide wirkende LX-Nabe FH-T 660 von Shimano. Was die wirklich taugt, werde ich erst in ein paar Jahren wissen. Bislang bin ich mit den Laufrädern seit Oktober 2009 nur etwa 1400 km gefahren (Stand Oktober 2010).
In der Konfiguration DH-3N80, Mavic XM 317, DT Pro Lock, DT Competition wiegt das Vorderrad nur 1185 Gramm und das Hinterrad mit FH-T 660, Mavic XM 317, DT Pro Lock, DT Competition nur 1057 Gramm (beide natürlich ohne Schnellspanner, Reifen etc.)- und das bei 36 Loch!

Übrigens: Ein leichtes Hinterrad mit allein dem genannten Gewichtsvorteil der Speichen und Felgen ermöglicht bei gleicher Tretkraft eine spürbar bessere Beschleunigung, was im Umkehrschluss bedeutet, bei gleicher Beschleunigung weniger Kraft/Arbeit und ggf. Schweiß aufwenden zu müssen, und ein leichtes Vorderrad verursacht weniger Trägheit beim Lenken aufgrund des geringeren Drehimpulses. Denke Sie daran, dass auch mit den Reifen und Schläuchen für gewöhnlich viel rauszuholen ist – Schwupps wiegen die Laufräder und somit das komplette Fahrrad 1kg weniger.

Lichtanlage und Laufräder kosten zusammen um die 300€.

Bremsen

Ja ich könnte auch Scheibenbremsen fahren, und beim nächsten Projekt wird das auch passieren. Gewachsen ist das Projekt Alltagsfahrrad
aber mit V-Brakes. Die Shimano LX V-Bremse ist zwar nicht so kraftvoll wie eine von Avid, aber die Bremskraft genügt bei zwei Fingern allemal.
Ein leidiges Problem war das mit den Bremsbelägen. Bei trockenen Zuständen bremsen viele gut. Aber bei Nässe sind manche schier unberechenbar.
Erst passiert eine Radumdrehung, was über 2 Meter macht, gar nichts, und dann setzt der Druckpunkt schlagartig ein.
Abhilfe schaffen hier die Kool Stop Tectonic aus drei verschiedenen Pads. Ich bin überrascht darüber, wie quasi sofort der Druckpunkt
bei Nässe anliegt. Wer also V-Brakes weiterhin fahren möchte, sollte unbedingt die Kool Stop Tectonic ausprobieren. Träger (ohne den geht
nichts) und Beläge kosten pro Bremse zwar erst mal 15€, aber die Gummis als Verschleißteile dann pro Bremse nur noch um 7 €, was dann absolut
in Ordnung geht.

Antrieb und Schaltung

Die Auswahl der Schaltkomponenten und des Antriebs ist mit Teilen aus der SHIMANO DEORE Gruppe begonnen worden. Die Shimano Deore
Komponenten genügen für den Alltag und für Reisen eigentlich völlig. Die Deore ist zwar nicht ganz so leicht wie die LX, SLX oder XT Gruppe,
aber sie erfüllt ihren Zweck.
Zuverlässigkeit und ein günstiger Preis sprechen ebenso dafür. Für mich ist die DEORE Gruppe die Einsteigergruppe, die auf jeden Fall ernst
genommen werden kann. Mittlerweile ist eine Mischung aus LX / XT – Teilen am Poison. Die Deore Teile erfüllen nun ihren Zweck an meinem Bike
für den Cycletrainer.

Fazit

In der Preisklasse um 1000€ bekommt man mit ein wenig Planung und handwerklichem Geschick ein solides und leichtes Fahrrad (um die 13kg)
für Alltag, Touren und Reisen zusammengestellt. Wer auf Federung verzichten kann, spart mindestens 1 Kilo und 100€. 100€ sind in einer
hochwertigen Lichtanlage und in den Laufrädern besser angelegt, als in einer Federgabel, zumal ja Zuverlässigkeit und geringer Wartungsaufwand
in dieser Fahrradkategorie Trumpf sind.

Viele Grüße von Stefan Heidrich

Meine Bikes: CUBE AMS 125 und Poison Ethanol

P.S.: Immer eine Hand am Lenker lassen!

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