…was sich ums Rad dreht…

Die Kampfradler – Fahrradfahrer = Verkehrsrowdies? – Meine Lösung:


Am 10.04.2012 veröffentlichte tagesschau.de eine Meldung, dass Verkehrsminister Ramsauer den “Kampf-Radler” entdeckt. Schleunigst entwickelte sich in den Kommentaren eine Diskussion mit sehr kontroversen Meinungen.

Ob diese Meldung, die übrigens in den Redaktionen vieler großer Pressehäuser aufgegriffen wurde, ein Lückenfüller ist und absichtlich einseitig verfasst wurde weiß nur die verfassende Redaktion. Es hat jedenfalls den Anschein.

Nichtsdestotrotz: Ich greife diese allgegenwärtige Thematik auf und stelle drei gängige Konflikte aus verschiedenen Perspektiven dar. Ich werde bei den fiktiven Äußerungen auch nicht vor Vulgärsprache zurückschrecken, weil diese auch im Alltag verwendet wird und exemplarisch für die Verrohung unseres Miteinanders ist. Anschließend beziehe ich persönlich Stellung zum Kampfradler.

1. Radfahrer missachten die rote Ampel

Autofahrer: Ey Du Vollhonk, das ist eine rote Ampel. Verkehrsregeln sind für alle da. Du Penner denkst, nur weil Du kein Kennzeichen hast, hättest Du Narrenfreiheit? Du bist der beste Beweis für die schmerzfreien Kampfradler. Hast Du überhaupt einen Führerschein? Würde mich nicht wundern, wenn Du den schon abgeben musstest. Bei Dir ist es nur eine Frage der Zeit bis es knallt.

Radfahrer: Wie soll ich da zügig ans Ziel kommen, wenn jede verfickte Ampel rot ist? Zumal die Schaltung an dieser Ampel total für den Arsch ist. Hier ist doch eh kein Querverkehr. Da haben die Sesselfurzer mal wieder keine Ahnung gehabt. Und dann gibt es keinen einheitliche Gestaltung im Verkehrsraum durch die erkennbar ist, welche Ampel denn nun für uns Radfahrer gilt. Wo waren die studierten Leute die dafür sorgen, dass ich nicht mehrere Rotphasen benötige, um auf den vorgezeichneten Radwegen bei dieser Kreuzung nach links abzubiegen? Wo bleibt die grüne Welle für uns Radfahrer?

Fußgänger: Wieder einer der denkt, er hätte eine eingebaute Vorfahrt. Wenns knallt bekommt der mein Mitleid nicht.

Polizei: Man man man, wieder einer der denkt, die Regeln gelten nicht für ihn. Halten wir ihn mal und leisten Aufklärungsarbeit.

2. Radfahrer benutzen die Straße, obwohl ein Radweg vorhanden ist.

Autofahrer (Hupend und wild gestikulierend): Ey, da ist ein Radweg! Der ist nicht umsonst da! Warum fährst du nicht da drauf?

Radfahrer: Fick Dich! – Siehst Du Penner denn nicht, dass der Weg total verdreckt und schlecht geführt ist? Du hast ja eine saubere Fahrbahn. Habe keine Lust mir die ständigen Absenkungen an zu tun und dass mich Split oder nasses Laub zu Fall bringen. Wie soll ich auch meine 30 – 50 km/h fahren, wenn der Weg mit Langsamfahrern und Fußgängern blockiert ist? Zudem sehen wir uns eh wieder an der nächsten Ampel.

Fußgänger: Toll, da ist hier ein Radweg und der fährt nicht da drauf.

Polizei: Wieder einer der denkt, er wäre Jan Ullrich. Den halten wir mal an.

3. Radfahrer fahren ohne Licht

Autofahrer: Man hast du Glück, dass du nicht bei mir auf der Motorhaube gelandet bist. Wahrscheinlich wieder so ein Student mit ner Schrottgurke. Geld für Kippen hast Du ja (der Student raucht während der Fahrt), aber keines für vernünftiges Licht am Fahrrad. Mit sowas habe ich kein Mitleid!

Radfahrer: Peace man! Hier sind doch eh die Laternen an. Mach einfach mal deine Augen auf!

Fußgänger (der den Radweg kreuzt): LICHT! Wie wärs denn mal damit?

Polizei: Das geht mal gar nicht. Der ist eine Gefahr für sich und andere. Halten wir ihn mal an.

Wie ich die Thematik Kampfradler sehe:

Was laut der Meldung unser Verkehrsminister abliefert wäre unter der Würde seines Amtes und liefe auf problemorientiertes Denken hinaus.

Frage ich unseren Verkehrsminister doch einfach mal selbst:

Herr Ramsauer: Wie stehen Sie zum lösungorientierten Denken? Könnten wir Verkehrsteilnehmer, egal ob Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, Busfahrer, LKW-Fahrer, Motorradfahrer usw, zu denen wir alle gehören, wenn wir uns im Straßenraum bewegen nicht viel eher davon profitieren, wenn an der Gestaltung des Verkehrsraumes auch die verschiedensten Verkehrsteilnehmer mitwirken?

Ich persönlich fahre leidenschaftlich gerne Fahrrad und Auto! Ich kenne beide Seiten zu gut. Ich halte nichts von Autofahrern, die Radfahrer wie LKWs betrachten: Als Verkehrshindernis. Ich halte auch nichts von Radfahrern, die bei schlechten Lichtverhältnissen ohne betriebene Lichttechnik am Fahrrad unterwegs sind. Ich halte auch nichts von Rotlichtfahrern. Ich halte auch nichts von Alibi-Radwegen mit schlecht durchdachter Wegführung. Ich halte auch nichts von Verkehrsteilnehmern, die mit einem Tunnelblick unterwegs sind. Auch halte ich nichts von Verleugnung.

Vor allem halte ich nichts davon, wenn wir Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausgespielt werden!

Viel eher halte ich was davon, dass die Personen, die an der Gestaltung des Verkehrsraumes mitwirken, aus den Perspektiven der verschiedensten Verkehrsteilnehmer geschult werden. Viel eher halte ich was davon, wenn wir Verkehrsteilnehmer regelmäßig die Verkehrsmittel wechseln um den Straßenverkehr aus der Perspektive unseres Mitteilnehmers zu betrachten.

Herr Ramsauer: Wie wäre es denn damit, wenn Sie gezielt eine Kampagne starten, in welcher Sie genau dazu aufrufen:“Wechselt die Perspektiven – wechselt die Verkehrsmittel!”?

Weitere Informationen:

Die Meldung auf Tagesschau.de und die Kommentare dazu sind hier zu finden: tagesschau.de/kampf-radler

Einen sehr interessanten Beitrag hat (anlässlich der Meldung auf Tagesschau.de) auch Tobias von MTB-News.de geschrieben. Hier geht er besonders auf ein fehlendes Konzept für das Fahrrad in der Stadt ein: www.mtb-news.de/news/2012/04/10/ramsauer-definiert-den-kampfradler-konzept-fuer-fahrraeder-in-der-stadt-fehlt

Viele Grüße von Stefan Heidrich

Meine Bikes: CUBE AMS 125 und Poison Ethanol

P.S.: Immer eine Hand am Lenker lassen!

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