…was sich ums Rad dreht…

Dauer-Test Magura Louise (’07 – OEM) 203/180 mm


Hier schildere ich meine Erfahrungen, die ich mit den Scheibenbremsen Magura Louise gemacht habe – Im ersten Bremsentest

Viel Spass beim Lesen.

Bremsgriff der Magura Louise (Mod. 2007)

Bremsgriff der OEM Version – ohne BAT Druckpunktverstellung | Magura Louise 2007

Gewicht

Vorweg: Die Bremse ist kein Leichtbau, aber auch kein Schwergewicht.

Die Gewichte:

Vorderbremse ohne Befestigungsschrauben (78cm Leitungslänge): 257 Gramm
Hinterbremse ohne Schrauben (134cm Leitungslänge): 269 Gramm
Befestigungsschrauben für die Bremszange: 11 gramm
Bremsscheibe SL 6-loch 203mm inkl. Schrauben: 214 Gramm
Bremsscheibe SL 6-loch 180mm inkl. Schrauben: 162 Gramm
Adapter QM5 ISF 203 mm inkl. Schrauben: 37 Gramm
Adapter QM10 ISR 180 mm mit Schrauben: 36 Gramm
Adapter QM12 ISF 180 / ISR 160 mm: 31 Gramm.

Die Vorderbremse wiegt mit der großen 203mm Bremsscheibe und dem QM5 Adapter (für IS-Aufnahme an der Gabel) fahrfertig ca. 519 Gramm. Mit der 180mm Bremscheibe und dem QM 12 Adapter fahrfertig: 461 Gramm.

Die Hinterbremse wiegt bei mir mit der 180mm Scheibe und QM10 Adapter fahrfertig ca. 488 Gramm

Das Gewicht jeder einzelnen Komponente ist mit Ausnahme der großen Bremsscheibe wie von Magura angegeben. Laut Magura soll die große Bremsscheibe mit 203mm Durchmesser und den 6 TX 25 Schrauben 227 Gramm wiegen – meine wiegt 214 gramm. Ich gehe davon aus, dass die guten Menschen von Magura das Gewicht mit dem der noch größeren 210mm Scheibe verwechselt haben.

Für manch einen mögen die Gewichte zu hoch sein bzw. die Anlage überdimensioniert sein. Bei der Bremse kommt es mir nicht auf das letzte Gramm an. Bremsleistung satt gepaart mit hoher Standfestigkeit stehen an erster Stelle. Knapp 1kg Bremse mit genug Reserven gehen dafür absolut in Ordnung :)

Montage

Bei mir war die Bremse zwar schon montiert, aber die Montage ist ziemlich einfach. Magura legt der Bremse eine ausführliche Anleitung bei. Darin ist auch detailliert beschrieben, wie die Bremse richtig entlüftet wird. Die Bike Magazine monieren bei diesem Modell zwar, dass der Griff nicht zweiteilig ist und somit die Montage am Lenker etwas länger dauert und umständlicher wäre, aber seien wir mal ehrlich: Wie oft wird eine Bremse gewechselt? Haben moderne Fahrräder nicht eh Schraubgriffe die einfach vom Lenker zu demontieren sind?

Sind die Bremsscheibe korrekt verschraubt, die Aufnahme für den entsprechenden Adapter bzw. für die Bremszange absolut gerade und plan, so müssen die Schrauben der Bremszange zum korrekten Ausrichten dieser nur ganz leicht gelöst sein, so dass sich die Zange zur Seite hin bewegen lässt. Man zieht dann am Bremshebel, hält diesen und zieht die Schrauben zur Fixierung des Bremssattels wieder an. Fertig!

Bremszange / Nehmer der Magura Louise (Mod. 2007)

Bremszange bzw. Nehmer i.V.m. QM5 Adapter und 203mm Scheibe | Magura Louise 2007

Funktion

Die Magura Louise nutzt als Übertragungsmedium das umweltfreundliche Mineralöl Royal Blood (an Stelle von ätzender Bremsflüssigkeit) und funktioniert damit sehr gut. Gerade wenn sie vorne mit der großen Scheibe gefahren wird genügt am Bremshebel ein Finger, da sie dann sehr viel Biss bietet ohne dabei giftig zu werden. Gleiches gilt für die hintere Bremse mit der 180 mm Scheibe. Gerade bei Marathons mit langen Abfahrten macht sich dieser Umstand positiv bemerkbar: Volle Kontrolle beim Lenken und trotzdem viel Kraft beim Bremsen.

Ein Schleifen der Bremsscheibe während der Fahrt ist bei korrekter Montage nicht festzustellen, so lange Rahmen, Gabel, Naben und Schnellspanner steif genug sind.

Bei Nässe nimmt die Bremspower kaum ab. Allerdings neigt die Magura Louise dann bei starken Bremsungen zum Quietschen. Schneematsch und Eis sind bei weit unter Minus 10°C bislang kein Thema. Bremsen tut sie immer (aber bei Öl oder Fett kann auch die Louise nicht zaubern).

Ergonomie

Der Bremshebel liegt gut in der Hand und kann mit bis zu zwei Fingern bedient werden.

Tipp: Wenn möglich, dann den Bremsgriff Innen und den Schalthebel Aussen montieren. So liegt der Mittelfinger an der äußeren Wölbung des Bremshebels und die Handkraft wird beim Bremsen wesentlich effektiver übertragen.

Dosierbarkeit

Wie bereits geschrieben ist die Bremse zwar bissig, aber nicht giftig. Der Druckpunkt ist angenehm. Wenn die Magura Louise richtig entlüftet wurde ist dieser zwar fest, aber nicht hart. Die Druckpunktverstellung BAT bei den Modellen für den Aftermarket wird damit hinfällig. Man bekommt eine prima Rückmeldung von der Bremszange. Heißt: Man merkt, wann die Beläge anliegen und wie (gefühlt) linear die Bremsleistung mit zunehmender Handkraft ansteigt. So bleibt sie beherrschbar.

Anfänger sollten sich jedoch trotzdem vorsichtig herantasten.

Power

Die Bremsleistung ist absolut ausreichend und im Überfluss vorhanden. Man sollte es zwar nie drauf anlegen die volle Power zu benötigen, aber wenn es doch mal nötig wird, so ist sie auch da.

Mit ein wenig Übung kann mit der von mir gefahrenen Version der Magura Louise i.V.m mit den Reifen Schwalbe Racing Ralph auf trockenem Asphalt aus 60km/h ein Bremsweg von nicht mal 13 Metern in der Ebene erzielt werden. Damit liegt man auf dem Nivau von Automobilen.

Haltbarkeit

Probleme mit der Dichtigkeit hatte ich mit dieser Version der Louise noch nicht. Sie ist bislang 18000 Kilometer gefahren worden. Vorteilhaft für einen Flachlandtiroler wie mich ist, dass die Bremsbeläge sehr lange halten. Die vorderen Bremsbeläge habe ich erst nach über 12000 Kilometern gewechselt. Es handelte sich dabei sogar um die Performance Beläge 6.1 – möglicherweise halten die Endurance Beläge 6.2 noch etwas länger. Wird die Bremse in bergigen Regionen mit vielen Höhenmetern gefahren, so halten die Beläge natürlich nicht so lange. Entlüften ist bei korrekter Erstmontage nicht nötig. Ebenso braucht auch das Mineralöl nicht gewechselt werden, da es im Gegensatz zur Bremsflüssigkeit nicht deren Alterungserscheinungen zeigt.

Einziges Manko: Die Schrauben. Die sehen nach einer Weile gammlig aus. Da kann Magura noch nachbessern.

Fazit

Die Magura Louise ist eine Allround-Bremse mit einem weiten Einsatzbereich – abhängig von den gefahrenen Bremsscheiben (Größe) und dem Fahrer (Gewicht). Ich würde Sie wieder kaufen.

Übrigens: Magura Teile auf der Waage sind hier: Magura Teile nachgewogen zu finden.

Viele Grüße von Stefan Heidrich

Meine Bikes: CUBE AMS 125 und Poison Ethanol

P.S.: Immer eine Hand am Lenker lassen!

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